Clever heizen

Wärmepumpe bei Minusgraden: Heizt sie bei minus 15 Grad noch?

Transparenz: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links (mit * markiert). Kaufst du darüber ein, bekommen wir eine kleine Provision, für dich bleibt der Preis gleich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kurz gesagtLuftwärmepumpen heizen auch bei minus 15 Grad, viele laut Hersteller bis minus 20 Grad.
  • EffizienzIm Fraunhofer-Feldtest im Dezember etwa 2,7, im Oktober etwa 3,8.
  • HeizstabSpringt erst unter dem Bivalenzpunkt an und macht übers Jahr meist nur wenige Prozent aus.
  • AußengerätFrei von Schnee und Laub halten, nie im Betrieb abdecken.

Ja, eine Luftwärmepumpe heizt auch bei minus 15 Grad noch. Viele Geräte arbeiten laut Hersteller bis minus 20 Grad oder tiefer. Bei Kälte sinkt aber die Effizienz, die Wärmepumpe braucht mehr Strom für dieselbe Wärme, und an den kältesten Tagen kann der Heizstab helfen. Über das ganze Jahr fällt das kaum ins Gewicht, weil richtig kalte Tage in Deutschland selten sind.

Warum es selbst bei Frost Wärme gibt

Auch Luft mit minus 15 Grad enthält noch Wärme. Die Wärmepumpe nutzt ein Kältemittel, das bei sehr tiefen Temperaturen verdampft. Propan zum Beispiel, das in vielen neuen Geräten steckt, siedet erst bei etwa minus 42 Grad. Solange das Kältemittel kälter ist als die Außenluft, nimmt es Wärme auf. Der Verdichter bringt diese Wärme dann auf Heiztemperatur.

Je größer der Abstand zwischen Außenluft und Vorlauftemperatur ist, desto mehr muss der Verdichter arbeiten. Deshalb ist die Effizienz an kalten Tagen niedriger.

Wie stark die Effizienz bei Kälte sinkt

Wie groß der Unterschied ist, zeigen Messungen des Fraunhofer ISE. Die Monatsarbeitszahl, also Wärme durch Strom über einen Monat, lag im Feldtest bei Luftwärmepumpen so:

Monat Mittlere Außentemperatur Monatsarbeitszahl
Oktober etwa 13 Grad etwa 3,8
Dezember etwa 2 Grad etwa 2,7
Gesamtes Jahr (JAZ) im Mittel 3,4

Im Winter sinkt die Effizienz also spürbar, bleibt aber deutlich über dem Faktor 1 eines Heizstabs oder Heizlüfters. Über das ganze Jahr kamen die gemessenen Luftwärmepumpen im Bestand auf eine Jahresarbeitszahl von 3,4. Was die Zahlen bedeuten, erklären wir unter JAZ und COP bei der Wärmepumpe.

Ein Funk-Thermometer mit Außensensor zeigt dir, wie kalt es bei dir wirklich ist. Häng den Sensor in den Schatten, nicht an eine sonnige Hauswand, sonst misst er an klaren Wintertagen mehrere Grad zu viel.

TempPro Funkthermometer innen und außen
EmpfehlungTempPro Funkthermometer innen und außen

Zeigt Außen- und Innentemperatur mit Min/Max-Werten, damit du die Arbeit der Wärmepumpe dem echten Wetter zuordnen kannst.

Bei Amazon ansehen*

Wie kalt wird es bei dir wirklich?

Wärmepumpen werden auf die sogenannte Normaußentemperatur deines Ortes ausgelegt. Das ist ein Tiefstwert, der statistisch nur selten unterschritten wird. In Deutschland liegt er je nach Region etwa zwischen minus 4 und minus 19 Grad, am Rhein milder, in Höhenlagen und im Osten kälter. Eine fachgerecht ausgelegte Wärmepumpe schafft diese Temperatur, notfalls mit Unterstützung des Heizstabs.

Wie selten das passiert, zeigt ein Beispiel des Bundesverbands Wärmepumpe: Bei einem Bivalenzpunkt von minus 5 Grad übernimmt der Heizstab nur gut 1 Prozent der Heizarbeit im Jahr. Mehr dazu liest du unter Heizstab der Wärmepumpe.

Was du bei Frost tun kannst

Vorlauftemperatur im Blick behalten

Laut Verbraucherzentrale arbeiten Wärmepumpen besonders effizient bei 30 bis 50 Grad Vorlauf. Bei Frost steigt der Vorlauf über die Heizkurve automatisch an. Drehst du zusätzlich alles hoch, sinkt die Effizienz weiter. Ein Anlegethermometer am Vorlaufrohr zeigt dir, wie heiß das Wasser wirklich ist.

Brannan Rohrthermometer
EmpfehlungBrannan Rohrthermometer

Zeigt am Vorlaufrohr, wie heiß das Heizwasser bei Frost tatsächlich wird.

Bei Amazon ansehen*

Außengerät freihalten

  • Schnee: Lockeren Schnee mit einem weichen Besen von Deckel und Seiten fegen. Nie mit Schaufel oder Kratzer an die Lamellen.
  • Laub: Im Herbst Laub um das Gerät entfernen, damit die Luft frei strömt und nichts in den Ablauf gelangt.
  • Kondensat: Das Schmelzwasser vom Abtauen muss frostfrei ablaufen können.
  • Dampf: Eine Dampfwolke am Außengerät ist normal, das Gerät taut gerade ab. Mehr dazu unter Wärmepumpe dampft und vereist.
Schneebesen mit Teleskopstiel
EmpfehlungSchneebesen mit Teleskopstiel

Weiche Borsten für lockeren Schnee auf dem Außengerät, ohne die Lamellen zu berühren.

Bei Amazon ansehen*

Wenn das Haus bei Frost nicht warm wird

Bleiben einzelne Räume an sehr kalten Tagen kühl, liegt es meist an zu kleinen Heizkörpern in diesen Räumen oder an einem fehlenden hydraulischen Abgleich. Wie du die kritischen Räume findest, steht unter Wärmepumpe mit Heizkörpern. Wird das ganze Haus nicht mehr warm, obwohl die Wärmepumpe durchläuft, oder läuft der Heizstab auch bei milden Temperaturen, gehört die Anlage zum Fachbetrieb.

Was bei der Planung zählt

Ob eine Wärmepumpe bei Frost gut mithält, entscheidet sich vor allem bei der Auslegung. Grundlage ist eine Heizlastberechnung, die für dein Haus und die Normaußentemperatur deines Ortes ausrechnet, wie viel Wärme an den kältesten Tagen nötig ist. Eine zu kleine Wärmepumpe ruft den Heizstab zu oft, eine zu große schaltet in der Übergangszeit ständig ein und aus. Beides kostet Effizienz. Achte im Datenblatt nicht nur auf die Leistung bei milden Temperaturen, sondern auch darauf, wie viel Heizleistung das Gerät bei Frost noch liefert.

Häufige Fragen

Bis zu welcher Temperatur funktioniert eine Luftwärmepumpe?

Viele moderne Luftwärmepumpen arbeiten laut Hersteller bis minus 20 Grad oder tiefer. Der genaue Einsatzbereich steht im Datenblatt. Bei sehr tiefen Temperaturen sinken Leistung und Effizienz, unterstützt bei Bedarf der Heizstab.

Wie viel mehr Strom braucht eine Wärmepumpe bei Frost?

Je kälter es ist, desto mehr. Im Fraunhofer-Feldtest lag die Monatsarbeitszahl im Dezember bei etwa 2,7, im Oktober bei etwa 3,8. Für dieselbe Wärme braucht die Wärmepumpe im Winter also spürbar mehr Strom.

Springt bei minus 15 Grad automatisch der Heizstab an?

Nicht automatisch. Er springt erst unter dem Bivalenzpunkt an, wenn die Wärmepumpe allein nicht mehr genug Leistung hat. Wo der liegt, hängt von der Auslegung ab, üblich sind etwa minus 5 bis minus 10 Grad.

Muss ich die Wärmepumpe bei Frost abdecken?

Nein, auf keinen Fall im Betrieb. Das Außengerät braucht freien Luftstrom. Halte es nur von Schnee und Laub frei.

Fazit

Eine gut ausgelegte Luftwärmepumpe heizt auch bei zweistelligen Minusgraden zuverlässig. Sie braucht dann mehr Strom, und an den kältesten Tagen hilft eventuell der Heizstab, übers Jahr macht das aber wenig aus. Halte das Außengerät frei von Schnee und Laub und dreh die Heizung bei Frost nicht unnötig hoch.

Über den Autor

Max schreibt bei zu heiß! über Hitzeschutz, Fensterfolien und sparsames Heizen und erklärt die Themen auch in kurzen Videos auf YouTube. Folien, Plissees und Ventilatoren hat er in der eigenen Dachgeschosswohnung ausprobiert.